Über das Geheimnis langanhaltender Beziehungen und wofür ich dir nach 6 gemeinsamen Jahren dankbar bin.

Vor 6 Jahren lag ich in einem Bett und habe die Frage der Fragen gestellt „willst du mit mir zusammen sein?“. Ich war ziemlich jung und ziemlich unerfahren, was Beziehungen führen anging. Ehrlich gesagt, ich hatte absolut keine Ahnung von Beziehungen. Zu dem Zeitpunkt war ich der Meinung, dass es etwas schönes ist und etwas, was sich schön anfühlt, wollte ich behalten. Deswegen wollte ich diese Beziehung, weil sie mir gut getan hat.

Vieles ist seitdem passiert. Und vieles hat sich alles andere als schön und fluffig und weich angefühlt. Ich wurde verletzt und ich habe verletzt. Ich habe auch ziemlich viel gelitten und mich sehr verändert. Ich habe gelogen und war mehrfach davor zu sagen, dass ich das nicht mehr möchte. Ich habe mich durch dich kennengelernt, das wahre Ich, nicht die Person die ich mal vorgegeben habe zu sein oder die, von der ich dachte, dass ich sie sein müsste. Ich habe den Schmerz der Veränderung ausgehalten. Ich wäre fast daran zerbrochen. Ich habe erfahren, was es bedeutet Wahrheiten zu ertragen und gespürt, wie schwer es eigentlich sein kann ehrlich zu sein. Ich hatte sehr viel Angst. Und ich habe immer noch Angst, wenn ich daran denke, wie wichtig du mir als Mensch bist.

Die letzten 6 Jahren waren alles andere als einfach und ich denke, dass ich erst jetzt so langsam anfangen zu begreifen, was es eigentlich bedeutet in einer committed (entschuldigt, ich finde das deutsche Wort „verbindlich“ oder „fest“ nicht passend) Beziehung zu sein. Wir haben uns nicht magisch und von Zauberhand verändert, das war kein selbsterklärender Prozess. Jemanden zu lieben ist viel Arbeit, das habe ich nach und nach begreifen müssen. Um genau zu sein, ich musste es erlernen, weil jemanden zu lieben eine Kunst ist. Sich zu öffnen und anzuvertrauen, beutetet sich nackt zu machen. Es gibt keinen Ort des Versteckens mehr, ich komm nicht umher mich selbst zu sehen und genau das kann so Angsteinflößend sein.

Die Wahrheit ist, dass lieben eine Herausforderung ist, weil ich Menschen, die ich liebe, so liebe wie sie sind, mit all ihren Wünschen und Träumen und Bedürfnissen. Das bedeutet für mich aber auch, dass ich sie dabei unterstützen will, so zu werden wie sie das möchten und sich zu den Menschen zu entwickeln, die sie sein wollen. In John Welwoods Worten ausgedrückt: „seeing and loving them for who they could be, and for who we could become under their influence“. Ich glaube, dass liebende Beziehungen, welcher Form auch immer, dazu beitragen, dass wir uns in einer bestimmten Art und Weise entwickeln können. Sich einer anderen Person gegenüber zu öffnen, ist wie einen Spiegel vorgehalten zu bekommen. Ich muss erst einmal ehrlich zu mir selbst sein, um ehrlich zu anderen sein zu können und so lerne ich mich kennen. Du hast mir dabei geholfen mich selbst zu finden oder um es in bell hooks Worten auszudrücken „we are committed to being changed, to being acted upon by the beloved in a way that enables us to be more fully self-actualized“.

Ich weiß inzwischen, dass ich mich nicht darauf verlassen kann, dass Beziehungen gleich bleiben und, dass es immer schön sein wird oder einfach oder fluffig und weich, aber ich weiß, dass ich mich darauf verlassen kann, dass wir einander mit Respekt begebenen werden und Arbeit und Zeit investieren, um uns zu lieben. Ich will mich nicht verstecken oder aus Angst vor zu viel Intimität davon laufen, weil ich letzten Endes vor mir selbst fliehen würde. Ich glaube, dass wir uns erst nackt machen müssen, um uns selbst verändern zu können und ich bin mir unsicher, ob die Art von Veränderung, ohne eine liebende, enge, vertraute und intime Beziehung, welcher Art auch immer, möglich ist. Genau aus diesem Grund bin ich die für die letzten 6 Jahre dankbar. Danke, dass du mich dabei unterstützt hast, die Person zu werden, die ich sein will. Mit all meinen seltsamen und nervigen Eigenschaften. Danke, dass du mich liebst so wie ich bin und ich ein Teil deines Lebens sein darf.

Ist es immer besser ehrlich zu sein?

Ich bin vor einigen Tagen über folgendes Zitat aus dem Buch „all about love“ von bell hooks gestolpert:

„Lots of people learn how to lie in childhood. Usually they begin to lie to avoid punishment or to avoid disappointing or hurting an adult. How many of us can vividly recall childhood moments where we courageously practiced the honesty we had been taught to value by our parents, only to find that they did not really mean for us to tell the truth all the time. In far too many cases children are punished in circumstances where they respond with honesty to a question posed by an adult authority figure. It is impressed on their consciousness early on, then, that telling the truth will cause pain. And so they learn that lying is a way to avoid being hurt and hurting others.“

Das Zitat hat einige schwierige Erinnerung wach gerufen. Die Wahrheit zu sagen tut weh. Die Wahrheit zu sagen verletzt. Das sind Gefühle, die ich immer noch zu häufig mit Ehrlichkeit in Verbindung bringe. Ich glaube, dass mir lange Zeit nicht bewusst war, wie schmerzvoll es sein kann die Wahrheit zu sagen – vorallem wenn die Wahrheit dich glücklich macht. Ich kann mich zum Beispiel noch gut daran erinnern, wie ich im Alter von 20 meinen Eltern erzählt habe, dass ich auch mal gerne heiraten würde („Ja, genau Mama, und das obwohl ich lesbisch bin“) und, dass ich es schön fände wenn sie kommen würden. Ich kann mich noch sehr gut an den Gesichtsausdruck meiner Mutter erinnern, die alles andere als entzückt war und an ihre Worte, die alles andere als unehrlich waren. In dem Moment habe ich mir gewünscht, dass sie lügt, dass sie einfach lügt und zumindest so tut, als ob sie sich für mich freut.

Die Wahrheit zu sagen tut weh. Die Wahrheit zu sagen verletzt. 5 Jahre später will ich möglichst wenig mit ihnen teilen, ich hab Angst, dass mich ihre Ehrlichkeit verletzt. Ich will nicht spüren, wie sie sich nicht für mich freuen können wenn ich glücklich bin, ich will nicht traurig sein, wenn ich eigentlich glücklich bin. Das hemmt mich. Ich überlege mir mehrmals, ob ich Dinge mit ihnen teilen will und rechne häufig mit der schlimmsten Antwort, um dem Moment der Verletzbarkeit zuvor zukommen.

Die Angst die Wahrheit zu sagen, begleitet mich also schon seit meiner Kindheit und überträgt sich seitdem nicht nur auf meine Eltern. Es ist nicht nur schwer ehrlich zu anderen Menschen zu sein, es kann manchmal sogar schwerer sein, ehrlich zu sich selbst zu sein. Was will ich eigentlich? Darf ich das wollen? Wie stehe ich dazu? Sind dabei die entscheidenden Fragen. Eigentlich ist es vollkommen absurd, ich kann mich an keinen Zeitpunkt in meinem Leben erinnern, zu dem es nicht besser gewesen wäre die Wahrheit zu sagen und doch habe ich mich manchmal dafür entscheiden zu Lügen – aus Angst vor den Konsequenzen, vor Schmerz ,vor Veränderung und vielleicht auch davor das Bild was jemand vor mir hat zu zerstören.

Ehrlich zu sein bedeutet zu sich selbst zu stehen, ohne wenn und aber. Es bedeutet auch klare Grenzen zu setzen und Bedürfnisse zu äußern. Ehrlichkeit bedeutet nicht, dass alles miteinander geteilt werden muss, genau so wenig bedeutet es, dass alles nach dem Motto „don’t ask don’t tell“ verschwiegen und verheimlicht wird. Ich denke, dass es wichtig ist eine Mitte zu finden zwischen beidem.

Folgende Fragen können einem dabei helfen:

Was muss ich wissen, damit ich mich sicher fühle?

Wieso ist es so schwer alles was darüber hinaus geht zu hören?

Würde ich es gerne zu einem späteren Zeitpunkt hören?

Wenn es um Ehrlichkeit geht, dann spielt der Zeitpunkt eine entscheidende Rolle, es geht darum bedacht ehrlich zu sein. Manche wollen gerne mehr Details und Informationen aus ihren Liebesbeziehungen, Play-Dates, One-Night-Stands, ersten Dates, etc. teilen, andere wollen am liebsten nichts oder möglichst wenig darüber hören. Letzteren, und da zähle ich mich zu gewissen Zeitpunkten in meinem Leben dazu, kann es helfen Informationen in kleinen Häppchen zu erhalten. Hilfreich ist es auch, wenn man die Informationen liest und nicht von Angesicht zu Angesicht gesagt bekommt. So hat man mehr Zeit sich mit seinen ersten Gefühlen dazu auseinanderzusetzen, ohne, dass die andere Person unmittelbar davon überrumpelt wird. Das Gefühlschaos braucht manchmal einen kleinen Moment, um sich einzupendeln. Nicht alles was sich im ersten Moment scheiße anfühlt, bleibt auch im zweiten Moment so.

Ich weiß nicht, wie vielen von euch es so geht, dass ihr erst einmal eine positiv besetzten Umgang mit Ehrlichkeit lernen müsst, aber ich zähle mich definitiv dazu. Es war schwer mir einzugestehen, dass ich mich nicht getraut habe in meiner damals geschlossenen Beziehung eine geöffnete Beziehung anzusprechen. Ich wusste genau, was ich eigentlich will, aber ich habe mich einfach nicht getraut. Es kostet zum Teil viel Überwindung und Zeit, ehrlich mit sich selbst zu sein, es führt auch manchmal dazu, das Bild was man von sich selbst hat zu überdenken und ja, es ist manchmal auch (sehr) verletzend die Wahrheit zu hören.

Trotz alle dem fühlt es sich gut an, wenn ich weiß was ich will, wenn ich dazu stehen kann und für mich selbst einstehe. Außerdem weiß ich es sehr zu schätzen, wenn ich die Gewissheit haben kann, dass andere Menschen darauf vertrauen, dass ich mit der Wahrheit klar komme und ihnen das Gefühl vermittle, dass mir die Wahrheit immer lieber ist als ein Trugbild. Ich könnte nicht glücklich werden könnte in einer Beziehung, in der Ehrlichkeit nicht ein Hauptbestandteil ist, um den sich stets bemüht wird. Letzten Endes denke ich, dass es immer besser ist, zu versuchen ehrlich zu sein, auch wenn es vielleicht weh tut und verletzt. Lieber weiß ich woran ich bin und vor welchen Herausforderungen ich stehe, als dass ich davon ausgehe, dass zum Beispiel meine Mitmenschen mit meiner Poly Beziehung klar kommen und sich uneingeschränkt für mich freuen. Lieber konfrontiere ich mich mit den Tatsachen, als mit einem Trugbild, denn wenn das zu Bruch geht, und das tut es meistens, tut es noch mehr weh als die eigentlich Wahrheit.

Embrace your jealousy. Ein Plädoyer auf Eifersucht.

Zuerst veröffentlich im Missy Magazine (online):
https://missy-magazine.de/2016/12/15/embrace-your-jealousy/

 

Als ich angefangen habe, mich mit offenen Beziehungen auseinanderzusetzen, war die einzige Message, die ich immer und immer wieder bekommen habe: Eifersucht ist schlecht. Das Ziel sollte sein, mich davon zu befreien, weil alles, was dahintersteht, verwerflich ist. Mein erstes Buch zu dem Thema schaffte es sogar, diese Aussage in Bilder zu fassen. Auf dem Cover war ein Herz zu sehen, umschlungen von stählernen Ketten, versiegelt durch ein mächtiges Schloss. Andere Bücher, die später folgten, benutzen lieber aussagekräftige Wörter, wie etwa „Eifersucht bewältigen“ oder „Eifersucht überwinden“. Schlussendlich stieß ich auf „The Ethical Slut“, ein Buch, das scheinbar alle Menschen, die sich mit offenen Beziehungen auseinandersetzen, mindestens einmal in ihrem Leben in den Händen gehalten haben, und selbst dort fand ich mich nicht wieder. Ich hatte das Gefühl zu scheitern.

Ich wurde geprägt von der Vorstellung, dass Eifersucht schlecht ist und ich an mir arbeiten muss, um all das, was dahintersteht, zu überwinden. In der Folge fühlte ich mich entweder schlecht und schuldig, weil ich es wagte, eifersüchtig, eingeschüchtert und überfordert zu sein, weil ich schon an den scheinbaren Grundlagen einer offenen Beziehung scheiterte. Heute sehe ich das anders.

Klar, Eifersucht ist kompliziert und vielfältig und manchmal schwer zu durchschauen, aber sie kann auch auf zwei Dinge hindeuten. Erstens, mir werden meine eigenen Ängste und Sorgen vor Augen geführt. Zweitens, andere Menschen verhalten sich unehrlich oder entgegen bestimmter Absprachen und verletzen mich. In beiden Fällen komme ich nicht drum rum, mir zu überlegen, was ich möchte, was mir wichtig ist und wie ich zwischenmenschliche Beziehungen führen will. Wenn jemand sich unehrlich verhält und ich das Vertrauen in den Menschen verliere, merke ich vielleicht, dass für mich Ehrlichkeit die Grundvoraussetzung für jegliche Beziehung ist. Wenn Absprachen missachtet werden, dann liegt die Frage nach dem Wieso nahe und kann dazu anregen, sich über die eigenen Bedürfnisse und deren Realisierbarkeit Gedanken zu machen.

So oder so, ich werde auf mich selbst zurückgeworfen und lerne mich besser kennen. Ohne Frage, es ist auch verdammt hart und verdammt anstrengend. Zum einen, weil sich hinter Eifersucht unter anderem Verlustängste, Neid, Minderwertigkeitsgefühle, Scham, Missgunst, die Suche nach Sicherheit und noch viel viel mehr verbirgt. Zum anderen, weil Eifersucht ein großes kompliziertes Geflecht aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist; zum Beispiel kann ich mich in der Gegenwart von einer schmerzvollen Situationen aus der Vergangenheit getriggert fühlen und Angst haben, dass sich genau das Gleiche noch einmal in Zukunft ereignen wird.

Eifersucht ist dabei ein bisschen wie eine Qualle, mal schwimmt sie unbehelligt und unbemerkt im Meer herum, mal ist sie ganz aufgewühlt und unruhig und bewegt sich hektisch in alle Richtungen. Dabei ist es wichtig, nicht zu vergessen, dass wir auf viele Dinge in unserem Umfeld oder auf das Meer, um bei meinem Quallenbeispiel zu bleiben, keinen oder sehr wenig Einfluss nehmen können. Eifersucht kann sich je nach meinen eigenen Situationen und täglichen Erfahrungen mal stärker und mal schwächer anfühlen. Mal kann ich mich gut für andere Menschen mitfreuen und mal liege ich wieder auf dem Boden, weine und kann mich kaum bewegen, weil mich alles überwältigt. Ich muss nicht zu jedem Zeitpunkt in meinem Leben bereit sein, eine bestimmte Form von Beziehung zu führen. Das Gefühl zu scheitern hatte ich nur, weil ich mich durch Bücher wie „The Ethical Slut“ unter Druck gesetzt gefühlt habe, zu jedem Zeitpunkt in meinem Leben und das bis an mein Lebensende, polyamore Beziehungen zu führen. Durch Bücher wie „Love in Abundance“ von Kathy Labriola habe ich zum ersten Mal festgestellt, dass ich abhängig von bestimmten Zeitpunkten und Kontexten in meinem Leben sowohl polygame Beziehungen als auch monogame Beziehungen führen kann und will. Es ist genauso okay, Monobeziehungen zu führen, wie es okay ist, Polybeziehungen zu führen, solange man ehrlich zu sich selbst und ehrlich zu seinen Beziehungspersonen ist.

Es gibt durchaus Menschen, die nie eifersüchtig sind und es vielleicht auch nie sein werden, genauso gibt es Menschen, die immer wieder Eifersucht empfinden und es auch in Zukunft empfinden werden. Wenn ich mir als Ziel setze, nie wieder Eifersucht zu empfinden, dann ist die Fallhöhe meistens sehr groß und ich werde mich immer wieder aufs Neue enttäuschen, denn es können immer Situationen kommen, die ich so nicht vorhergesehen habe. Sobald ich akzeptiert habe, dass Eifersucht ein Teil von mir ist und dass jede Emotion eine Daseinsberechtigung hat, konnte ich mich letzten Endes damit auseinandersetzen, einen Umgang damit zu finden. Meine Devise heute lautet: immer schön atmen. Jedes Tempo für Veränderungen ist richtig. Nicht zu hart zu mir selbst sein, denn ich bin gut, so wie ich bin.

 

Sollte ich häufiger alleine schlafen?

Als ich noch in einer monogamen Zweierbeziehung war und mit meiner Beziehungsperson zusammen gewohnt habe, hat mich die Frage kaum beschäftigt. Es gab ein Schlafzimmer und ein Wohnzimmer. Das ließ nicht besonders viel Raum, um sich die Frage zu stellen, ob man in der kommenden Nacht nicht lieber alleine schlafen möchte. Klar, manchmal ist eine Person weg gefahren und man musste gezwungenermaßen alleine schlafen, aber das hatte recht wenig damit zu tun, dass man sich aktiv für eine Nacht alleine entschieden hat.

Als ich in einer zwar immer noch monogamen Beziehung war, wir uns aber dagegen entschieden hatten zusammen zu wohnen, war die Frage schon nahe liegender und doch schliefen wir jede Nacht beieinander. Wieso? Weil es sich einfach schöner angefühlt hat nebeneinander, anstatt alleine zu schlafen. Wir hatten selten das Bedürfnis nicht beieinander zu sein. Ich glaube, dass wir uns auch nicht den Raum dafür gegeben hätten, zu sagen, ob eine Person von uns alleine schlafen möchte. Das war keine Frage die angesprochen wurde, vielleicht auch eine die nicht so richtig okay gewesen wäre?

Seitdem ich Polybeziehungen führe, führe ich auch andere Gespräche über Bedürfnisse. Ich kann nicht genau sagen, woran es liegt. Vielleicht an der Tatsache, dass mehrere Menschen beteiligt sind und alle versuchen aufeinander Rücksicht zu nehmen, indem häufig über Bedürfnisse geredet wird. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich generell, ganz unabhängig von meinen Polybeziehungen, nicht noch einmal an den Punkt kommen will, an dem es okay ist Sachen für selbstverständlich zu halten und jeden Tag von der anderen Person einzufordern. Ich denke, dass es sowohl erleichternd als auch ermüdend sein kann, jeden Tag aufs neue eine scheinbar so kleine Frage zu beantworten: „Möchtest du heute lieber alleine schlafen?“. Erleichternd, weil ich jeden Tag selbstbestimmt entscheiden kann, was sich gut anfühlt und mir niemand diese Entscheidung abnimmt. Ermüdend, weil es einfach ist jeden Tag das gleiche zu tun, ohne sich jeden Tag aufs neue zu fragen, was man eigentlich will. Ich kenne beide Seiten und ich kann beide Seiten gut verstehen.

Der Clou an der ganzen Sachen ist nun, dass ich sehr häufig zu dem Entschluss komme, dass ich kein Bedürfnis danach habe, alleine zu schlafen. Da ich nun mit zwei Personen zusammen bin, die regelmäßig das Bedürfnis haben alleine zu sein oder alleine zu schlafen, frage ich mich, wieso ich viel seltener das Bedürfnis danach habe. Davon abgesehen, dass es sich zum Teil anfühlt wie eine Zurückweisung, wenn ich merke, dass ich lieber beieinander schlafen würde, ist der deutlich schwierigere Part, das Hinterfragen meiner eigenen Bedürfnisse. Bin ich abhängiger von den beiden und will deswegen nicht alleine schlafen? Muss ich das wollen? Ist es komisch, dass ich das nicht will? Weiß man beieinander schlafen mehr zu schätzen, wenn man regelmäßig alleine schläft? 

Ich glaube nicht, dass ich es weniger wertschätze, nur weil es häufig vorkommt, schließlich entscheide ich mich jeden Tag aufs neue dafür. Ich merke jedoch, dass die Pause, auch wenn ich mich nicht dafür entscheiden würde wenn ich die Bestimmerin wäre, dazu beitragen, dass ich die Möglichkeit habe meine Beziehungspersonen zu vermissen. Und ich vermisse Menschen manchmal gern, weil ich dann aktiv merke, wie gerne ich sie eigentlich habe. Durch meine Beziehungen merke ich außerdem, dass ich ein Mensch bin, der nicht viel Zeit alleine braucht. Ich nehme mir gerne hin und wieder Zeit für mich und genieße es sehr, aber ich brauche es nicht häufig, zumindest seltener als meine Beziehungspersonen. Ich würde mich zur Zeit auf einer „Allein-sein-Skala“, wobei 1=ich bin gerne die meiste Zeit allein und 10= ich bin lieber die meiste Zeit unter Menschen ist, auf einer 6 oder 7 sehen. Solche Skalen helfen mir manchmal sehr dabei, meine eigenen Bedürfnisse in Worte zu fassen, vorallem, wenn ich mich im Verhältnis zu anderen Menschen und deren Bedürfnissen setzen kann. Klar, eine Zahl ist ziemlich umaussagekräftig, wenn sie für sich alleine steht. Wenn man jedoch anfängt darüber zu reden, was für einen eigentlich dahinter steht, dann können sie sehr vielsagend sein.

Inzwischen bin ich meistens (außer in Momenten in denen ich sowieso alles an mir hinterfrage) davon überzeugt, dass es vollkommen okay ist, unterschiedliche Bedürfnisse als meine Beziehungspersonen zu haben, solange ich es respektieren und akzeptieren kann, dass mein Bedürfnis nicht alleine zu schlafen, immer mal wieder nicht erfüllt werden kann. Die Frage scheint so klein zu sein und doch spiegelt sie so vieles für mich wieder; die Art und Weise wie über Bedürfnisse geredet wird, was es eigentlich bedeutet Zeit alleine zu verbringen und wessen Bedürfnisse wann vor gehen und erfüllt werden können. Letzten Endes glaube ich, dass so kleine, alltägliche Fragen viele Hinweise darauf geben können, was einem in Beziehungen  wichtig ist und wo man sich selbst verorten würde.

Der Vorteil Jüdisch zu sein an Weihnachten

Als ich noch bei meinen Eltern gewohnt habe, war Weihnachten ein großes Fest der Einsamkeit. Während alle meine Freund*innen 3-5 Tage mit Essens- und Geschenk Exzessen verbracht haben, saß ich gelangweilt zu Hause. Hätte ich Hannah Arendts „Jüdische Schriften“ mit 13 Jahren schon gekannt, dann hätte ich wenigstens einen Ausdruck für mein Gefühl gekannt: Außenseiterin. Während Arendt sich in ihren Schriften mit einer fehlenden politischen Identität von Jüd*innen auseinandersetzt, wollte ich mich schlichtweg einfach nicht so ausgeschlossen fühlen.

Mit der Zeit erkannten auch meine Eltern das Problem und fingen an Weihnachten als Mittel zum Zweck zu sehen. Wenn wir sowieso zu Hause feststecken, könnten wir  die Zeit auch gemeinsam verbringen. Als Teenie war ich nicht gerade darüber entzückt, gleich zwei mal in einem Monat mehrere Tage am Stück mit meinen Eltern zu verbringen. Von einem Vorteil meines Jüdisch seins konnte hier also nicht die Rede sein.

Als ich nun älter wurde und anfing Beziehungen zu führen, stelle sich mein Jüdisch sein als gewisser Vorteil heraus. Das Datum an dem Chanukkah jedes Jahr stattfindet, richtet nach dem jüdischen Kalender. Dieser ist wiederum ein Mondkalender, der nach den jeweiligen Mondphasen berechnet wird. Konkret bedeutet das, dass sich das Datum an dem Chanukkah stattfindet von Jahr zu Jahr unterscheidet. Dieses Jahr zum Beispiel findet es vom 25.12.16-01.01.17 und nächstes Jahr dann vom 13.12.17-20.12.17 statt. Ihr könnt euch vorstellen worauf ich hinaus will: Weihnachten und Chanukkah fallen sehr selten auf den gleichen Tag. Folglich hatte ich selten das Problem mich entscheiden zu müssen, wohin ich fahren will, mit wem ich feiern will und wie zur Hölle ich das alles unter einen Hut bringe.

Irgendwann in meinem Leben gab es also einen Punkt, ab dem es sich angefangen hat gut anzufühlen Jüdisch zu sein. Es fühlt sich inzwischen als etwas positives an, nicht wie alle anderen Menschen um mich herum Weihnachten zu feiern. Ich fühle mich nicht mehr wie eine Außenseiterin, sondern vielmehr wie eine Ergänzung. Ich ergänze mich ziemlich gut mit meinen Beziehungspersonen (vielleicht nicht unbedingt dieses Jahr, aber dafür wieder nächstes Jahr;)). So kann ich all meine Beziehungspersonen einladen mit mir Channukah zu feiern, wenn ich das möchte, und mir meine Zeit an Weihnachten immerhin nur zwischen zwei Familien aufzuteilen. Mir ist bewusst, dass Weihnachten von vielen Menschen als großes Manifest auf eine Konsumgesellschaft verstanden wird und viele Menschen alles andere als gerne mit ihren Familie an einem Tisch sitzen möchte. Tatsächlich muss ich sagen, dass ich es trotz allem ganz gerne mag ein paar Tage mit den Familien meiner Beziehungspersonen verbringen zu können, weil ich weiß, dass sie einander viel bedeuten und ich weiß es zu schätzen ein Teil davon sein zu können. Weihnachten und Chanukkah sind für mich, trotz all der Kritik daran, inzwischen auf irgend eine Art und Weise positiv besetzt und zumindest kein Fest der Einsamkeit mehr.

Im übrigen reichen mir auch 1-2 Tage mit meiner Familie und ich weiß immer noch nicht, ob sie wirklich damit klar kommen, dass ich mit zwei Beziehungen, beide noch dazu weiblich gelesen, zu einem jüdischen Feiertag mit der Familie antanze. Eigentlich ist es also in gewisser weise sogar einfacher für mich zu den Familien meiner Beziehungspersonen mitzufahren, weil ich dort zumindest „nur“ in einfacher Weise mit der Norm breche, nämlich als lesbisch gelesenes Paar.

 

 

Warum oute ich mich nicht?

Mit 13 hat meine Mutter mich zwangsgeoutet. Ich wusste nicht einmal selbst, was oder wen oder wieso ich überhaupt begehre. Vor Sorge über meine Suche nach mir selbst, ist sie in meine Privatsphäre eingedrungen, hat sich meiner Gedanken und Gefühle ermächtigt und mich zur Rede gestellt. Zweifelsohne war das einer der schmerzvollsten Momente meiner Jugend. Ein Moment, den ich heute gerne als „den Bruch“ in unserer Beziehung bezeichne.

Seit diesem Zeitpunkt ist es scheinbar klar, dass ich alles, nur nicht hetero, sein kann. Unzählige Gespräche folgten und Bücher über Bücher über Bücher, immer zu auf der Suche nach mir selbst. Und immer wieder die Frage „Bist du dir sicher, dass du nicht auf „Männer“ stehst?“. Ehrlich gesagt fand ich die Frage schon immer sonderbar. Wie kann ich schon für immer wissen, wen oder was ich begehren werde?

Und dann kam die Frage nach dem Outing. Wem sage ich es? Wem nicht? Wieso sage ich es manchen und anderen nicht? Weil ich Angst vor der Reaktion habe? Oder vor Zurückweisung? Als ich mich mit 15 Jahren schließlich bei meiner damals besten Freundin outete, hatte sie eine Zeit lang Angst mich zu umarmen. Eine andere Freundin hatte Angst, dass wenn ich andere Mädchen zu lange in der Umkleide anschaue, sie vermuten könnten, dass ich auf sie stehe. Wieder eine andere Freundin fragte, ob wir nicht wieder auf „normale“ Partys gehen könnten, nachdem wir ein einziges Mal auf einer Homo Party waren. Woher um alles auf der Welt sollte ich die Sicherheit nehmen, mich vor den Menschen zu outen, die mich schon mein ganzes Leben lang kannten?

Erst war ich zu jung, um mich bei meinen Opas zu outen. „Vielleicht ist es nur eine Phase“, erklang es immer wieder aus dem Mund meiner Mutter. Das hat mich verunsichert. Wie gut kann ich mir selbst überhaupt vertrauen? Als die „Phase“ zu lange angedauert hat, um eine Phase zu sein, war es unnötig mich bei ihnen zu outen. „Sie würden ihren Missmut an deinem Vater und mir auslassen“ hieß es dann. Also gut, so schwieg ich über meine erste Partnerin hinweg und über meine zweite..und…

Jetzt ist es fast 13 Jahre her, mein halbes Leben schweige ich schon darüber hinweg und pflege eine nicht vorhandene Beziehung zu meinen Opas, zu meinem Onkel und meiner Tante und zu dem gesamten Rest der erweiterten Familie. Allen, bis auf meine Eltern. Inzwischen rede ich über Kinder und gemeinsame Zukunftswünsche und Pläne mit meinen Beziehungspersonen. Wie kann ich darüber noch hinweg schweigen? Wie kann ich meine Kinder vor ihren Urgroßeltern verstecken? So tun, als wären es nicht meine Kinder? Ich komme mir ganz klein vor, als ob ich mich verstecke und andere „beschütze“, indem ich mich klein mache, fast schon unsichtbar. Bloß nicht auffallen, bloß nicht entdeckt werden.

Inzwischen ist es einfach zu groß, zu mächtig, um es bzw. mich noch länger zu verstecken.Wie kann ich noch länger über all das hinweg schweigen?

 

 

 

Warum ist Eifersucht gut und wie kann ich damit umgehen? Part 2

Ich habe Eifersucht schon auf sehr unterschiedliche Weise erlebt. Im letzten Beitrag schrieb ich über mein „ich liege auf dem Boden und bin zutiefst traurig und verzweifelt“ Erlebnis, es gibt aber auch ganz viel dazwischen. Von kurzer Unsicher, über tiefsitzende Ängste, bis hin zu Situationen dich mich an vorherige Situationen erinnern und triggern. Die Eifersuchtspalette ist reich an Inhaltsstoffen. Ich weiß keinen allgemerin gültigen Umgang mit Eifersucht, das wäre auch ziemlich utopisch, aber ich kann meine Erfahrungen mit euch teilen und vielleicht kann ich sogar dazu beitragen, dass die ein oder andere Person von meinen Gedanken dazu profitiert :).

Es ist definitiv immer einfacher über Eifersucht nachzudenken und darüber zu schreiben, wenn ich es nicht gerade selbst empfinde. Wie es der Zufall und mein jüdisches Glück, wie meine Mutter immer so schön sagt, will, befinde ich mich natürlich gerade nicht in einer Zeit der reinen theoretischen Auseinandersetzung. Im Klartext: Ich empfinde im Moment Gefühle von Eifersucht. Zu Beginn meiner relativ frischen Beziehung hat es sich einfacher angefühlt offen zu leben und ich hatte mich gefreut, dass ich wohl über die ersten, großen Hürden hinweg gekommen bin und keine extremen Anflüge von Eifersucht mehr erlebe. Je länger ich jedoch mit meiner Partnerin zusammen bin, umso fragiler fühlt sich meine anfängliche Sicherheit an. Ich denke es hat sich zu Beginn so viel einfacher angefühlt, weil wir uns noch nicht so nah waren, da war noch keine tiefe Verbundenheit zu spüren, die es zu „verlieren“ galt. Jetzt ist sie da und mit ihr auch die Unsicherheit.

Festzustellen, dass ich wieder Gefühle von Eifersucht empfinde war ganz schön frustrierend. Ich dachte wirklich, dass ich darüber hinweg sei, dass jetzt alles rosig und easy going wird. Da lag ich wohl ganz schön falsch. Es wird einfacher, aber wird vermutlich (zumindest für mich) nie ausschließlich einfach. Jede Situation ist unterschiedlich und jede Situation kann eine neue Herausforderung für mich bedeuten. Bloß, weil ich die eine Situation bewältig und gut gelöst habe, heißt es nicht, dass ich es zu jedem Zeitpunkt wiederholen kann. Vielleicht erlebe ich gerade sowieso eine schwierige Zeit in meinem Leben und vielleicht ist es noch zusätzlich schwierig und kompliziert mit meinen Beziehungspersonen. Es kann auch passieren, dass mich Situationen triggern und an schmerzvolle Situationen aus der Vergangenheit erinnern.

Das sind alles Sachen die ich im Zweifelsfall nur schwer oder gar nicht beeinflussen kann. Mir hat er geholfen mir immer wieder selbst zu sagen: Sei nicht zu hart zu dir selbst. Veränderungen brauchen Zeit, ich kann nicht von mir selbst erwarten, dass ich all meine Unsicherheiten und Ängste von heute auf morgen abzuschütteln und als vollkommen anderer Menschen durch die Welt gehen kann. Es ist okay Gefühle immer und immer und immer und … guess what? immer und immer wieder zu empfinden. Es wird von Mal zu Mal aber auch einfacher. Übung macht die Meisterin. Vielleicht merke ich sogar manchmal meine eigene Veränderung gar nicht, aber dafür Menschen die mir nahe stehen umso mehr? Oder Menschen die mich jetzt kennenlernen? Vielleicht können die sich gar nicht mehr vorstellen, dass ich irgendwann mal gelähmt war vor Angst und Schmerz? In solchen Momenten wird mir immer sehr klar, dass ich mich sehr wohl verändert habe. Manchmal ist es auch gut sich zu fragen: Wann bin ich da angekommen, wo ich sein will? Wann bin ich mit mir zufrieden? Gibts den Punkt oder ist die Erwartung an mich selbst vielleicht sogar zu groß, zu unrealistisch, zu weit weg?

Eifersucht hatte für mich auch selten etwas mit Vertrauen zu tun. Ich glaube wirklich nicht daran, dass der Ausspruch „aber wenn du deinen Partner*innen vertraust, dann kannst du doch gar nicht eifersüchtig sein?“ stimmt. Klar, wenn ich meinen Beziehungspersonen nicht vertrauen würde, dann könnte ich mich nicht darauf verlassen, dass sie offen und ehrlich Dinge mit mir teilen und ich wäre immer zu misstrauisch. Aber ich kann ihnen auch  vertrauen und gleichzeitig Verlustängste verspüren oder das Gefühl plötzlich weniger interessant zu sein oder Angst zu haben, weniger Zeit mit meinen Beziehungspersonen verbringen zu können.Das sind alles Dinge die für mich nicht zwangsläufig etwas mit Vertrauen zu tun haben und auch nicht zwangsläufig mit einer anderen Person, sondern viel mehr mit mir selbst.

Um nicht ganz so theoretisch zu bleiben, hier also eine Sammlung an Handlungsideen/Gedanken, die mir in den letzten Jahren geholfen haben:

  1. Self care! Das wichtigste an der Sache. Was tut mir gut? Was muntert mich auf/lenkt mich ab? Eine Flasche Wein und schlechte Filme? Eine große Pizza? Ein langer Spaziergang? Laut Musik hören? Unter der Bettdecke verstecken? Unterstützung kann in dem Fall total gut sein, ich brauche nicht alles alleine durchzustehen. Ich finde sogar, dass es ziemlich mutig ist nach Hilfe zu fragen und sich nicht der Angst alleine zu stellen.
  2. The three D’s, wie Elisabeth A. Sheff sie nennt: DISCUSS.DISTRACT.DO.
  3. Ich möchte mit Personen zusammen sein, die mich als den Menschen mögen und lieben der ich bin, und nicht, weil ich bestimmte Dinge besonders gut kann (Sex, Unterstützung, Kommunikation etc.). Die Frage ist also: Will ich mit einem Menschen zusammen sein, der z.B. nur wegen dem guten Sex mit mir zusammen ist? Eher nicht.
  4. Das Gegenteil von Eifersucht kann Mitfreude sein. Mitfreude kann was ganz wunderschönes und verbindendes sein. Ich finde ja auch, dass Mitfreude und Eifersucht in manchen Situationen ganz gut Hand in Hand gehen können. Manche Freund*innen von mir macht es beispielsweise auch total an, von den sexuellen Abenteuern ihrer Beziehungspersonen zu hören, das kann Menschen auch enger zusammen bringen.
  5. Gedanken wie folgt strukturieren: Annahme und Tatsache. Es hilft mir zum Teil Gedanken zu de-eskalieren, meistens sind die ersten Annahmen größer als die Tatsachen dahinter. Beispielsweise kann eine Annahme sein, dass meine Beziehungspersonen mit einer Person Sex haben, die besser im Bett ist als ich. Die Tatsache ist dann: Körperlichkeiten lassen sich nicht vergleichen und gegeneinander abwiegen. Jede Begegnung ist so individuell, nach welchen Maßstäben könnte ich sie miteinander vergleichen? Meine Partner*innen können eine wunderschöne Zeit mit anderen Menschen haben, aber das wertet unsere Beziehung weder auf noch ab. Das hat letzten Endes rein gar nichts mit mir zu tun.
  6. Situationen versuchen zu benennen, die mich aus früheren Situationen triggern. Wenn mich etwas triggert, dann ist es der Auslöser, aber nicht die Ursache. Was steckt also wirklich dahinter? Was befürchte ich? An was fühle ich mich erinnert?
  7. Diese Videos: https://www.youtube.com/watch?v=PpccpglnNf0…https://www.youtube.com/watch?v=JOCtdw9FG-s….https://www.youtube.com/watch?v=bq7FJzMc9tg….https://www.youtube.com/watch?v=1NDkVx9AzSY

Und hier noch eine Reihe von Ideen und Tipps anderen Menschen, die ich dankenswerterweise im Rahmen eines kleinen Workshops, mit einer tollen Gruppe sammeln durfte:

  1. Erst einmal atmen…Ganz grundlegend anfangen hilft super.
  2. Sich überhaupt erst einmal einzugestehen, dass man Eifersucht empfindet kann ganz schön hart und wer sein. Es zu nennen und zuzulassen kann einiges vereinfachen.
  3. Vertrauen, dass man aus dem Schmerz wieder raus kommt. Nur, weil es sich gerade scheiße anfühlt, heißt es nicht, dass es sich für immer scheiße anfühlen wird.
  4. Unterschiedliche Literatur kann helfen. Einige lesen gerne andere Blogs, Artikel und Bücher, um sich mit dem Thema nicht alleine zu fühlen und manch andere genießen lieber andere Themen und Bücher.
  5. Raum für die unterschiedlichen Gefühle lassen, alle Gefühle haben eine Daseinsberechtigung
  6. Affirmations. Platt gesagt: Ich bin mir genug
  7. Ich bin mir zwar selbst genug, aber Unterstützung ist wichtig, ich muss nicht alles alleine machen und von Menschen unterstützt zu werden die mich lieben oder denen ich wichtig bin, kann sehr wohltuend sein.
  8. Energien umlenken –> Leiden und Schmerz kann unglaublich kreativ machen
  9. Es ist wichtig, dass ich mit mir selbst zufrieden bin und mich gleichzeitig nicht von anderen Personen distanziere

Letzten Endes ist es glaub ich ein Balanceakt zwischen der Form von Eifersucht die zu einer Art persönlichem Wachstum und einer Art von Entwicklung beitragen kann und Eifersucht, die letztlich Grenzüberschreitung und darüber hinausgehende reale Gefahren thematisiert…