Es gibt viele Posts, Blogeinträge und Artikel, die sich mit der Frage auseinandersetzen, wieso es so gut und hilfreich sein kann sich auf ein Treffen mit den Partner*innen und Lover*innen der eigenen Beziehung einzulassen. Was passiert jedoch danach? Wenn man absolut bereit ist sich der vielleicht Angsteinflößenden Situation zu stellen und der Person mit den vermeintlichen Superkräften zu begegnen?

Wo treffe ich mich am besten?

Um meine Erfahrungen und Hinweise dazu zu teilen, muss ich ein bisschen in der Zeit zurück gehen:

Da standen wir also. In einer Halle voll schwitziger, meist durchtrainierter Körper und sahen uns zum ersten mal in die Augen. Auf Bilder sah sie viel einschüchternder aus als in der Realität, war meiner erster Gedanke und ich musste zurück denken an den Moment, als meine Partnerin mir zum ersten mal Fotos auf Tinder zeigte. Ich kann mich noch an die zunächst oberflächliche Begeisterung erinnern, die in ihren Augen lag und die mit der Zeit immer intensiver wurde. Alles lief irgendwie auf den Moment hinaus, in dem wir uns in einer Boulderhalle gegenüber stehen sollten.

Wieso wir ausgerechnet bouldern gegangen sind? Weil es ein fließendes Miteinander möglich macht. Ich konnte bouldern, sitzen, stehen, alleine sein oder mich austauschen und das alles innerhalb eines einzigen Treffens. Das lockerte die gesamte Situation auf und nagelte mich nicht auf eine Tätigkeit fest. Ich fühlte eine gewisse Freiheit in meinen Handlungen.

Trotzdem war ich unsicher. So unsicher, dass mir erst in der Halle deutlich wurde, dass ich mit meinem relativ kleinen, unsportlichen Körper, nicht den von mir erhofften Eindruck hinterlassen kann. Ich hatte mir meine Metamour, also die Partnerin meiner Partnerin, magisch und glanzvoll vorgestellt. In meiner Vorstellung verkörperte sie all das was ich nicht war und spiegelte somit auch all das wieder, was ich sein wollte. In der Realität, in der Gegenwart, in der Boulderhalle angekommen, beobachtete ich sie dabei, wie sie sich an gelben Steinen (Schwierigkeitsstufe: leicht) entlang hangelte. Im Gegensatz zu unserer gemeinsamen Partnerin, die wie eine Spinne Stein für Stein galant bewältigte, scheiterten wir beide bereits an Schwierigkeitsstufe blau, die direkt nach gelb kam. Natürlich konnte ich es mir im Vorhinein denken, mir war bewusst, dass sie nicht magisch ist, auf keinem Einhorn angeritten kommt und so wie jeder andere Mensch auf dieser Welt nicht perfekt ist, aber meine Fantasie eröffnete mir Mittel und Wege und ließ meine Gedanken immer und immer wieder um die die Ehrfurcht der Begegnung kreisen. Klar, ich musste mich auch mit dem Gefühl auseinandersetzen, was es bedeutet zu sehen, dass meine Partnerin Gefühle für eine andere Person entwickelt. Ich hab ihnen quasi dabei zugesehen, aber was unterschiedliche Beziehungsdynamiken bedeuten und wie ich damit umgegangen bin, greife ich in einem anderen Post auf.

Das Treffen machte alles in allem einiges einfacher. Wir können seitdem Sachen zu dritt unternehmen, ich lerne meine Metamour immer besser kennen und sie ist eine zauberhafte Person, aber nicht so magisch, wie ich sie mir in meinen wüstesten Fantasien ausgemalt habe. Ich denke, dass der Ort unserer ersten Begegnung dabei entscheidend war. Ich hätte mich nur halb so wohl gefühlt, wenn ich nicht die Freiheit besessen hätte, jeder Zeit etwas anderes zu machen, als ein vielleicht unangenehmes Gespräch zu führen. Es hat auf mich immer viel Druck ausgeübt, wenn ich mich in einen geschlossenen Raum, etwas eine Bar, begeben habe, um dort den Lover*innen oder Partner*innen meiner Partnerin zu begegnen. Zum einen bin kein großer Fan von Smalltalk und zum anderen befinde ich mich ungern in eine Situation, die ich nur mit Mühe und Not verlassen kann, wenn ich will. Deswegen war bouldern genau richtig, genau wie spazieren gehen, gemeinsam eine Kuchenparty besuchen oder jegliche andere Aktivität, die Raum für Abwechslungsreiche Tätigkeiten bietet.

Mein Rat lautet also: Denkt euch kreative, entspannte und lockere erste Begegnungsorte aus und erlebt einen schönen Moment der Entzauberung 🙂

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