Ich finde es grundsätzlich unglaublich schwer meine eigenen Bedürfnisse ehrlich zu kommunizieren. Viele Leute um mich herum scheinen es als keine all zu schwere Aufgabe zu betrachten, einfach ehrlich und klar zu kommunizieren, was sie wollen und was sie nicht, was sie sich erhoffen und was nicht und welche Erwartungen damit verbunden sein könnten. Mir fällt das viel schwerer. Über die letzten Jahre habe ich für mich selbst herausgefunden, dass sich meine Kommunikation innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen und vorallem in Polybeziehungen, häufig zwischen zwei Punkten bewegt: Grenzen und Definitionen von Begriffen. Wieso für mich beides so wichtig geworden ist, werde ich in den nachfolgenden Beiträgen weiter ausführen.

Inzwischen weiß ich, dass es mir leichter fällt Gespräche offen und ehrlich zu führen, wenn sie auf eine bestimmte Art und Weise strukturiert sind. Vor einem Klärungsgespräch oder ähnlichem, finde ich es beispielsweise gut, wenn ich mich selbst frage: Was ist der Sinn und Zweck des ganzen Gespräches? Ist es einfach nur eine Info, will ich diskutieren, will ich es später bereden, will ich, dass sich die andere Person Gedanken darüber macht und jetzt erst einmal nichts dazu sagt? Im Gespräch selbst hat es mir geholfen, wenn ich versuche so klar wie möglich meine eigenen Wünsche zu kommunizieren. Wie können wir es nächstes mal besser machen? Klare Wünsche zu kommunizieren kann schwerer sein als man meint. Mir fällt es dabei besonders schwer präzise zu äußern, was ich eigentlich sagen will. Viele von meinen Gedanken spielen sich in einzelnen Emotionen und Gefühlen ab, da kann ich meistens nicht klar eine Sache oder eine konkrete Situation benennen. Und zu guter Letzt: Wie können wir versuchen den unterschiedlichen Wünschen die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken? Wo ist die Mitte? Wie weit können wir aufeinander zugehen, dass es sich für alle gut anfühlt?

Das hört sich alles so schön einfach an, wenn ich es mir durch den Kopf gehen lasse und in diesem Beitrag verewige. Die Wahrheit ist leider, dass ich mich noch viel zu häufig über mich selbst ärgere. Manchmal gerne noch klarer sagen wollen würde, was ich eigentlich brauche, meine und will. Die Realität ist leider manchmal nicht so sanft und fluffig, wie ich sie mir wünschen würde. Sie schmeckt nun mal nicht immer wie ein saftiger Schokokuchen. Dafür habe ich unter bestimmten Umständen Angst, dass ich Menschen verletzte die mir wichtig sind. Sie zurückweise oder selbst Ablehnung erfahre. Vielleicht sogar für meine Bedürfnisse als komisch oder seltsam gesehen werde. Die Wahrheit ist leider, dass es immer besser ist ehrlich zu sein. Sowohl zu sich selbst, als auch zu anderen. Jede Situation, die ich mit Unwahrheiten weniger schlimm, weniger konfrontativ, weniger „gefährlich“ oder beängstigend machen wollte, ist im Endeffekt viel schlimmer geworden. Es hat immer dazu geführt, dass ich andere Menschen verletzt habe, weil ich nicht ehrlich war und noch dazu, die Sache selbst, durch die Lüge an ungewollter Bedeutung gewonnen hat. Noch dazu kommen in Polybeziehungen so viele unterschiedliche Bedürfnisse und Gefühle und Gedanken zusammen, dass meiner Meinung nach mit Kommunikation alles steht oder fällt. So wie in jeder anderen Beziehung eigentlich auch.

Über die Zeit habe ich jeden Falls angefangen mir kleine Regeln zu setzen. Klar, ich halte sie mal mehr, mal weniger ein. Mal ist mir auch komplett bewusst, dass ich gerade all meine Vorsätze über den Haufen werfe – mit Schwung. Manchmal ist es mir auch erst im Nachhinein bewusst. Und ganz selten, wenn ich mich selbst kurz zurück nehme und einen Moment lang nicht mit Anlauf auf jedes möglicherweise stürmische oder aufwühlende oder schwierige Gespräch zurenne, dann erinnere mich mich an folgende Regeln:

 

  1. Ich-Botschaften machen einiges wirklich einfacher 😉
  2. Keine ernsthaften Beziehungsgespräche anfangen, wenn man kurz davor ist schlafen  zu gehen und sowieso schon müde ist.
  3. Auf Alkohol und unter dem Einfluss anderer Drogen ist auch nie eine gute Idee.
  4. 5 Minuten Pause hilft, wenn die Emotionen und Gedanken sich zu überschlagen scheinen und nur noch in Vorwürfen und Anschuldigungen gesprochen wird.
  5. Keine Verallgemeinerungen. Es ist selten schon immer alles schlecht oder negativ.
  6. Nur weil es sich zuerst scheiße anfühlt, heißt es nicht, dass es auch scheiße bleibt.
  7. Kommunizieren, wenn ich nicht sofort bereit über etwas zu reden/zu antworten und mir Zeit nehmen in Ruhe über Dinge nachzudenken, anstatt vorschnell zu antworten.
  8. Erwartungen kommunizieren. Ich kann nicht wissen, was andere wollen und andere nicht, was ich will.
  9. Nur, weil ich auf eine bestimmte Art und Weise über etwas denke und fühle, bedeutet das nicht, dass mein Gegenüber die Situation identisch wahrnimmt.
  10. Ultimaten lassen keinen Raum, um über Dinge zu verhandeln und haben in der Regel nur dazu geführt, dass sich meine Parter*innen in ihrer Freiheit zu Handeln beraubt gefühlt haben und viel viel Drama entstanden ist..entweder ich kann mich darauf einlassen über Dinge zu reden oder ich kann es nicht.

 

Fühlt euch bitte frei, Nr. 11,12,13,etc. zu ergänzen! Ich bin mir sicher, dass es noch ganz viele weitere tolle Vorsätze oder selbstgesetzte Regeln gibt, die unter anderem mich brennend interessieren würden 🙂

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