Warum ist Eifersucht gut und wie kann ich damit umgehen? Part 2

Ich habe Eifersucht schon auf sehr unterschiedliche Weise erlebt. Im letzten Beitrag schrieb ich über mein „ich liege auf dem Boden und bin zutiefst traurig und verzweifelt“ Erlebnis, es gibt aber auch ganz viel dazwischen. Von kurzer Unsicher, über tiefsitzende Ängste, bis hin zu Situationen dich mich an vorherige Situationen erinnern und triggern. Die Eifersuchtspalette ist reich an Inhaltsstoffen. Ich weiß keinen allgemerin gültigen Umgang mit Eifersucht, das wäre auch ziemlich utopisch, aber ich kann meine Erfahrungen mit euch teilen und vielleicht kann ich sogar dazu beitragen, dass die ein oder andere Person von meinen Gedanken dazu profitiert :).

Es ist definitiv immer einfacher über Eifersucht nachzudenken und darüber zu schreiben, wenn ich es nicht gerade selbst empfinde. Wie es der Zufall und mein jüdisches Glück, wie meine Mutter immer so schön sagt, will, befinde ich mich natürlich gerade nicht in einer Zeit der reinen theoretischen Auseinandersetzung. Im Klartext: Ich empfinde im Moment Gefühle von Eifersucht. Zu Beginn meiner relativ frischen Beziehung hat es sich einfacher angefühlt offen zu leben und ich hatte mich gefreut, dass ich wohl über die ersten, großen Hürden hinweg gekommen bin und keine extremen Anflüge von Eifersucht mehr erlebe. Je länger ich jedoch mit meiner Partnerin zusammen bin, umso fragiler fühlt sich meine anfängliche Sicherheit an. Ich denke es hat sich zu Beginn so viel einfacher angefühlt, weil wir uns noch nicht so nah waren, da war noch keine tiefe Verbundenheit zu spüren, die es zu „verlieren“ galt. Jetzt ist sie da und mit ihr auch die Unsicherheit.

Festzustellen, dass ich wieder Gefühle von Eifersucht empfinde war ganz schön frustrierend. Ich dachte wirklich, dass ich darüber hinweg sei, dass jetzt alles rosig und easy going wird. Da lag ich wohl ganz schön falsch. Es wird einfacher, aber wird vermutlich (zumindest für mich) nie ausschließlich einfach. Jede Situation ist unterschiedlich und jede Situation kann eine neue Herausforderung für mich bedeuten. Bloß, weil ich die eine Situation bewältig und gut gelöst habe, heißt es nicht, dass ich es zu jedem Zeitpunkt wiederholen kann. Vielleicht erlebe ich gerade sowieso eine schwierige Zeit in meinem Leben und vielleicht ist es noch zusätzlich schwierig und kompliziert mit meinen Beziehungspersonen. Es kann auch passieren, dass mich Situationen triggern und an schmerzvolle Situationen aus der Vergangenheit erinnern.

Das sind alles Sachen die ich im Zweifelsfall nur schwer oder gar nicht beeinflussen kann. Mir hat er geholfen mir immer wieder selbst zu sagen: Sei nicht zu hart zu dir selbst. Veränderungen brauchen Zeit, ich kann nicht von mir selbst erwarten, dass ich all meine Unsicherheiten und Ängste von heute auf morgen abzuschütteln und als vollkommen anderer Menschen durch die Welt gehen kann. Es ist okay Gefühle immer und immer und immer und … guess what? immer und immer wieder zu empfinden. Es wird von Mal zu Mal aber auch einfacher. Übung macht die Meisterin. Vielleicht merke ich sogar manchmal meine eigene Veränderung gar nicht, aber dafür Menschen die mir nahe stehen umso mehr? Oder Menschen die mich jetzt kennenlernen? Vielleicht können die sich gar nicht mehr vorstellen, dass ich irgendwann mal gelähmt war vor Angst und Schmerz? In solchen Momenten wird mir immer sehr klar, dass ich mich sehr wohl verändert habe. Manchmal ist es auch gut sich zu fragen: Wann bin ich da angekommen, wo ich sein will? Wann bin ich mit mir zufrieden? Gibts den Punkt oder ist die Erwartung an mich selbst vielleicht sogar zu groß, zu unrealistisch, zu weit weg?

Eifersucht hatte für mich auch selten etwas mit Vertrauen zu tun. Ich glaube wirklich nicht daran, dass der Ausspruch „aber wenn du deinen Partner*innen vertraust, dann kannst du doch gar nicht eifersüchtig sein?“ stimmt. Klar, wenn ich meinen Beziehungspersonen nicht vertrauen würde, dann könnte ich mich nicht darauf verlassen, dass sie offen und ehrlich Dinge mit mir teilen und ich wäre immer zu misstrauisch. Aber ich kann ihnen auch  vertrauen und gleichzeitig Verlustängste verspüren oder das Gefühl plötzlich weniger interessant zu sein oder Angst zu haben, weniger Zeit mit meinen Beziehungspersonen verbringen zu können.Das sind alles Dinge die für mich nicht zwangsläufig etwas mit Vertrauen zu tun haben und auch nicht zwangsläufig mit einer anderen Person, sondern viel mehr mit mir selbst.

Um nicht ganz so theoretisch zu bleiben, hier also eine Sammlung an Handlungsideen/Gedanken, die mir in den letzten Jahren geholfen haben:

  1. Self care! Das wichtigste an der Sache. Was tut mir gut? Was muntert mich auf/lenkt mich ab? Eine Flasche Wein und schlechte Filme? Eine große Pizza? Ein langer Spaziergang? Laut Musik hören? Unter der Bettdecke verstecken? Unterstützung kann in dem Fall total gut sein, ich brauche nicht alles alleine durchzustehen. Ich finde sogar, dass es ziemlich mutig ist nach Hilfe zu fragen und sich nicht der Angst alleine zu stellen.
  2. The three D’s, wie Elisabeth A. Sheff sie nennt: DISCUSS.DISTRACT.DO.
  3. Ich möchte mit Personen zusammen sein, die mich als den Menschen mögen und lieben der ich bin, und nicht, weil ich bestimmte Dinge besonders gut kann (Sex, Unterstützung, Kommunikation etc.). Die Frage ist also: Will ich mit einem Menschen zusammen sein, der z.B. nur wegen dem guten Sex mit mir zusammen ist? Eher nicht.
  4. Das Gegenteil von Eifersucht kann Mitfreude sein. Mitfreude kann was ganz wunderschönes und verbindendes sein. Ich finde ja auch, dass Mitfreude und Eifersucht in manchen Situationen ganz gut Hand in Hand gehen können. Manche Freund*innen von mir macht es beispielsweise auch total an, von den sexuellen Abenteuern ihrer Beziehungspersonen zu hören, das kann Menschen auch enger zusammen bringen.
  5. Gedanken wie folgt strukturieren: Annahme und Tatsache. Es hilft mir zum Teil Gedanken zu de-eskalieren, meistens sind die ersten Annahmen größer als die Tatsachen dahinter. Beispielsweise kann eine Annahme sein, dass meine Beziehungspersonen mit einer Person Sex haben, die besser im Bett ist als ich. Die Tatsache ist dann: Körperlichkeiten lassen sich nicht vergleichen und gegeneinander abwiegen. Jede Begegnung ist so individuell, nach welchen Maßstäben könnte ich sie miteinander vergleichen? Meine Partner*innen können eine wunderschöne Zeit mit anderen Menschen haben, aber das wertet unsere Beziehung weder auf noch ab. Das hat letzten Endes rein gar nichts mit mir zu tun.
  6. Situationen versuchen zu benennen, die mich aus früheren Situationen triggern. Wenn mich etwas triggert, dann ist es der Auslöser, aber nicht die Ursache. Was steckt also wirklich dahinter? Was befürchte ich? An was fühle ich mich erinnert?
  7. Diese Videos: https://www.youtube.com/watch?v=PpccpglnNf0…https://www.youtube.com/watch?v=JOCtdw9FG-s….https://www.youtube.com/watch?v=bq7FJzMc9tg….https://www.youtube.com/watch?v=1NDkVx9AzSY

Und hier noch eine Reihe von Ideen und Tipps anderen Menschen, die ich dankenswerterweise im Rahmen eines kleinen Workshops, mit einer tollen Gruppe sammeln durfte:

  1. Erst einmal atmen…Ganz grundlegend anfangen hilft super.
  2. Sich überhaupt erst einmal einzugestehen, dass man Eifersucht empfindet kann ganz schön hart und wer sein. Es zu nennen und zuzulassen kann einiges vereinfachen.
  3. Vertrauen, dass man aus dem Schmerz wieder raus kommt. Nur, weil es sich gerade scheiße anfühlt, heißt es nicht, dass es sich für immer scheiße anfühlen wird.
  4. Unterschiedliche Literatur kann helfen. Einige lesen gerne andere Blogs, Artikel und Bücher, um sich mit dem Thema nicht alleine zu fühlen und manch andere genießen lieber andere Themen und Bücher.
  5. Raum für die unterschiedlichen Gefühle lassen, alle Gefühle haben eine Daseinsberechtigung
  6. Affirmations. Platt gesagt: Ich bin mir genug
  7. Ich bin mir zwar selbst genug, aber Unterstützung ist wichtig, ich muss nicht alles alleine machen und von Menschen unterstützt zu werden die mich lieben oder denen ich wichtig bin, kann sehr wohltuend sein.
  8. Energien umlenken –> Leiden und Schmerz kann unglaublich kreativ machen
  9. Es ist wichtig, dass ich mit mir selbst zufrieden bin und mich gleichzeitig nicht von anderen Personen distanziere

Letzten Endes ist es glaub ich ein Balanceakt zwischen der Form von Eifersucht die zu einer Art persönlichem Wachstum und einer Art von Entwicklung beitragen kann und Eifersucht, die letztlich Grenzüberschreitung und darüber hinausgehende reale Gefahren thematisiert…

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