Über das Geheimnis langanhaltender Beziehungen und wofür ich dir nach 6 gemeinsamen Jahren dankbar bin.

Vor 6 Jahren lag ich in einem Bett und habe die Frage der Fragen gestellt „willst du mit mir zusammen sein?“. Ich war ziemlich jung und ziemlich unerfahren, was Beziehungen führen anging. Ehrlich gesagt, ich hatte absolut keine Ahnung von Beziehungen. Zu dem Zeitpunkt war ich der Meinung, dass es etwas schönes ist und etwas, was sich schön anfühlt, wollte ich behalten. Deswegen wollte ich diese Beziehung, weil sie mir gut getan hat.

Vieles ist seitdem passiert. Und vieles hat sich alles andere als schön und fluffig und weich angefühlt. Ich wurde verletzt und ich habe verletzt. Ich habe auch ziemlich viel gelitten und mich sehr verändert. Ich habe gelogen und war mehrfach davor zu sagen, dass ich das alles nicht mehr möchte. Ich habe mich durch dich kennengelernt, das wahre Ich, nicht die Person die ich mal vorgegeben habe zu sein oder die, von der ich dachte, dass ich sie sein müsste. Ich habe den Schmerz der Veränderung ausgehalten. Ich wäre fast daran zerbrochen. Ich habe erfahren, was es bedeutet Wahrheiten zu ertragen und gespürt, wie schwer es eigentlich sein kann ehrlich zu sein. Ich hatte sehr viel Angst. Und ich habe immer noch Angst, wenn ich daran denke, wie wichtig du mir als Mensch bist.

Die letzten 6 Jahren waren alles andere als einfach und ich denke, dass ich erst jetzt so langsam anfangen zu begreifen, was es eigentlich bedeutet in einer committed (entschuldigt, ich finde das deutsche Wort „verbindlich“ oder „fest“ nicht passend) Beziehung zu sein. Wir haben uns nicht magisch und von Zauberhand verändert, das war kein selbsterklärender Prozess. Jemanden zu lieben ist viel Arbeit, das habe ich nach und nach begreifen müssen. Um genau zu sein, ich musste es erlernen, weil jemanden zu lieben eine Kunst ist. Sich zu öffnen und anzuvertrauen, beutetet sich nackt zu machen. Es gibt keinen Ort des Versteckens mehr, ich komm nicht umher mich selbst zu sehen und genau das kann so angsteinflößend sein.

Die Wahrheit ist, dass lieben eine Herausforderung ist, weil ich Menschen, die ich liebe, so liebe wie sie sind, mit all ihren Wünschen und Träumen und Bedürfnissen. Das bedeutet für mich aber auch, dass ich sie dabei unterstützen will, so zu werden wie sie das möchten und sich zu den Menschen zu entwickeln, die sie sein wollen. In John Welwoods Worten ausgedrückt: „seeing and loving them for who they could be, and for who we could become under their influence“. Ich glaube, dass liebende Beziehungen, welcher Form auch immer, dazu beitragen, dass wir uns in einer bestimmten Art und Weise entwickeln können. Sich einer anderen Person gegenüber zu öffnen, ist wie einen Spiegel vorgehalten zu bekommen. Ich muss erst einmal ehrlich zu mir selbst sein, um ehrlich zu anderen sein zu können und so lerne ich mich kennen. Du hast mir dabei geholfen mich selbst zu finden oder um es in bell hooks Worten auszudrücken „we are committed to being changed, to being acted upon by the beloved in a way that enables us to be more fully self-actualized“.

Ich weiß inzwischen, dass ich mich nicht darauf verlassen kann, dass Beziehungen gleich bleiben und, dass es immer schön sein wird oder einfach oder fluffig und weich, aber ich weiß, dass ich mich darauf verlassen kann, dass wir einander mit Respekt begebenen werden und Arbeit und Zeit investieren, um uns zu lieben. Ich will mich nicht verstecken oder aus Angst vor zu viel Intimität davon laufen, weil ich letzten Endes vor mir selbst fliehen würde. Ich glaube, dass wir uns erst nackt machen müssen, um uns selbst verändern zu können und ich bin mir unsicher, ob die Art von Veränderung, ohne eine liebende, enge, vertraute und intime Beziehung, welcher Art auch immer, möglich ist. Genau aus diesem Grund bin ich die für die letzten 6 Jahre dankbar. Danke, dass du mich dabei unterstützt hast, die Person zu werden, die ich sein will. Mit all meinen seltsamen und nervigen Eigenschaften. Danke, dass du mich liebst so wie ich bin und ich ein Teil deines Lebens sein darf. Danke für die letzten 6 Jahre.

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