In letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass ich inzwischen eine große Palette an Methoden, Tipps und Konzepten gesammelt habe, die mir dabei geholfen haben, mich selbst und meine Beziehungspersonen besser verstehen zu lernen. Eine davon sind die 5 love languages. Ich möchte gerne mit euch teilen, wieso ich sie so hilfreich finde und wie sie mich zu der Frage in der Überschrift bringen.

Nach Gary Chapman (bislang sind die 5 love languages das einzige was ich von ihm gelesen habe. ich glaube, dass die meisten seiner Texte eher  christlich religiös und auf die monogame zweier Ehe fokussiert sind…naja, das hier ist auf jeden Fall vielfältig auslegbar;)) gibt es 5 Beziehungssprachen. Mit Hilfe dieser Sprachen kommunizieren wir in Beziehungen, dass wir jemanden lieben und erhalten durch sie auch das Gefühl geliebt zu werden. Er unterscheidet zwischen:

  1. Lob und Anerkennung (für die unterschiedlichsten Dinge, wie etwa Leistungen oder Unterstützung, etc.)
  2. Quality Time (Zusammen schöne Sachen unternehmen, so etwas wie Ausflüge, Urlaube, Filme ansehen, gemeinsam kochen, etc.)
  3. Acts of service/ Hilfsbereitschaft (Wäsche waschen, jmd. zum Flughafen bringen, Essen kochen, massieren, etc.)
  4. Geschenke machen und bekommen (Aufmerksamkeit und Wertschätzung wird in Form von Geschenken geäußert)
  5. Zärtlichkeit/physische Nähe (jegliche Formen von Berührungen können dazu zählen, von Umarmungen, über Hände halten, bis hin zu Küssen, etc.)

 

Trauer und Verlust in Beziehungen

Durch die 5 love languages konnte ich zum ersten mal in aller Deutlichkeit in Worte fassen, wie ich in liebenden Beziehungen kommuniziere und welche Sprache(n) für mich besonders zentral sind. Sie haben mir vor Augen geführt, dass ich keinen Sex oder sexuelle Situationen brauche, um eine Beziehung als liebende Beziehung zu definieren. Mir ist durch die Beschäftigung damit klar geworden, dass körperliche Intimität nicht die  einzige und vorallem nicht die wichtigste Sprache ist, über die ich in liebenden Beziehungen kommuniziere und das Gefühl von „geliebt sein“ erfahre. Sie ist mir sehr wichtig, ohne Zweifel, gleichzeitig habe ich mir schon so häufig die Frage gestellt: Was wenn körperliche Intimität ausbleibt? Ist es dann immer noch eine Beziehung? Ich hatte Angst, dass es irgend zu dem Punkt kommen könnte, an dem ich meine Beziehungspersonen körperliche nicht mehr begehre und …und dann?

Ich weiß aus schmerzvoller Erfahrung, dass es einen treffen kann, wenn die zentralen Beziehungssprachen plötzlich verloren gehen. Als aus meiner monogamen Beziehung eine geöffnete Beziehung und schließlich eine polyamore Beziehung wurde, hat sich einiges verändert. Ob temporär oder endgültig, das spielt dabei in erster Linie keine Rolle, denn ich musste mich zu erst einmal darauf einlassen von bestimmten Dingen Abschied zu nehmen. Beispielsweise die Tatsache, dass ich sehr lange die einzige Person war, die am meisten Zeit mit meiner Beziehungsperson verbringen durfte. Ich habe darum sehr lange getrauert, es hat Zeit gebraucht bis ich mich darauf einstellen konnte, dass ich das nicht mehr war. Ich denke, dass es auch wichtig war für mich, mich auf das trauern einzulassen. Wenn sich Beziehungen plötzlich verändern, vorallem in eine Richtung die ich nicht erwarte oder vielleicht nicht unbedingt selbst initiiere, dann empfinde ich es oft als ziemlich schwer loszulassen und mich auf neue Dinge einzulassen. Darum war das Trauern aber auch entscheidend, weil es mir zum einen gezeigt hat, dass dort etwas verloren ging und zum anderen, dass es mir scheinbar wichtig war, was dort verloren gegangen ist.

Die zentrale Frage lautet also: Was macht mich glücklich? Sind es Geschenke? Körperliche Zuneigung? Oder Quality Time? Und was davon spielt die größte Rolle? Denn letzten Endes kommt es auf eine einzige Frage an:

Was würde mich dazu bringen, dass ich eine Beziehung verlasse?

Das erinnert mich ein bisschen an dieses Spiel, Jenga, da geht es darum einen Turm aus Holzklötzen zu bauen und nach und nach Klötze vorsichtig zu entfernen, bis der Turm schließlich in sich zusammen bricht und jemand verliert, weil er den Stein gezogen hat der alles zum einstürzen brachte. Das ist ein Geschicklichkeitsspiel. Behutsam müssen die Steine gelöst werden, ähnlich wie bei der Beziehung. Denn Beziehungen können sich so häufig verändern und dann kommt es letztlich darauf an, welche Aspekte der Beziehung den Turm aufrecht erhalten und welche ihn zum Einsturz bringen.

Für mich ist das der spannendste Teil einer Beziehung, weil ich am meisten über mich selbst lerne. Ich habe viel Zeit damit verbracht, meine Definition von einer  Beziehung zu durchdenken. Ich war immer mal wieder hin und her gerissen zwischen „Ist das noch eine Beziehung?“ und „Das ist doch alles Quatsch, klar willst du das als Beziehung definieren“, wenn sich zentrale Dinge in meinen Beziehungen veränderten. Letztlich bin ich zum dem Schluss gekommen, dass ich selbst bestimmen kann, was eine liebende Beziehung für mich ist und was nicht. Es hat zum einen geholfen über mich selbst zu lernen, dass mir zwei und nicht nur eine einzige Beziehungssprache am wichtigsten sind und zum anderen, dass ich mich dazu entscheiden kann, welche Veränderungen ich zulassen möchte und welche nicht. Manche Veränderungen fühlen sich im ersten Moment (und noch lange Zeit danach) schlecht an, andere werden sich nie gut anfühlen. Das herauszufinden bedarf für mich einem Prozess, auf den ich mich einlassen kann oder nicht. Ich kann nämlich selten sofort sagen, dass eine Veränderung sich dauerhaft schlecht anfühlen wird. Was mir schließlich bleibt, ist mich für oder gegen den Prozess des Herausfindens zu entscheiden. Und ich glaube, dass bei mir letzten Endes viel von dieser Entscheidung abhängt.

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