————- Weil ich finde, dass es fast nur schlimme Fotos zum Thema Eifersucht gibt, kriegt ihr lieber ein hübsches Foto aus meinem derzeitigen Aufenthalt in Kolumbien. ————–

Wie ihr wisst, beschäftige ich mich seit längerem mit dem Thema Eifersucht. Mir ist es wichtig wertschätzend darüber zu schreiben und auch in meinen Workshops verfolge ich einen Embracing jealousy Ansatz. Nach jedem Workshop gehe ich mit neuen Erkenntnissen und Ideen nach Hause und lerne immer wieder neue Ideen und Methoden für den Umgang mit Eifersucht kennen. In dem nachfolgenden Beitrag möchte ich ein paar meiner Lieblings Tipps mit euch teilen, schließlich will ich nicht die einzige sein, die davon profitiert.

  • Atmen und eingestehen

Eifersucht ist ein komplexes Geflecht aus Emotionen. Das macht es zum einen schwer nachzuvollziehen, wo das Gefühl seinen Ursprung hat und zum anderen ist es selten eine grosse Hilfe die scheinbar schluessigsten und überzeugendsten Argumente aufzufahren. Warum? Weil die Emotionen die mit Eifersucht zum Vorschein kommen, da sind, ob man will oder nicht. Sie haben, wie alle anderen Dinge die wir empfinden, eine Daseinsberechtigung und können deswegen nicht argumentativ bei Seite geräumt werden. Ich finde es manchmal besonders hart mir einzugestehen, dass ich eifersüchtig bin. Eine Zeit lang dachte ich sogar, dass es mein Ziel sein sollte mich „von meiner Eifersucht“ zu befreien. Dabei wollte ich sie viel lieber umarmen und als einen Teil von mir begreifen. Ich denke, dass ich meine Eifersucht erst verstehen und kennenlernen konnte, als ich einmal (vermutlich waren es eher 100mal) kräftig durchgeatmet und mir eingestanden habe, dass ich eifersüchtig bin.

  • Wohl fühlen wenn ich mich unwohl fühle

Ich vergleiche diesen Punkt gerne mit einer Qualle. Das Meer in dem sie sich befinden kann sich jeder Zeit ändern. Mal kann es rau, stürmisch, unvorhersehbar oder unberechenbar sein und Mal ganz ruhig. Ähnlich verhält es sich mit der Eifersucht. Manchmal kommt es vor, dass so viele stressige Situationen in meinem Leben auf einmal auftreten und ich viel stärker auf beängstigende Eifersuchtsmomente reagiere, als ich es eigentlich gewohnt bin von mir. Dann ist es fuer mich besonders wichtig, dass ich in solchen Momenten zum Teil andere Grenzen und Bedürfnisse habe, als ich es zu einem Zeitpunkt in meinem Leben hätte in dem alles entspannt und ruhig wäre. Nur, weil ich mich einmal mit etwas wohl fühle, heißt es nicht, dass ich es immer und zu jedem Zeitpunkt​ tun werde. Ich finde es vollkommen in Ordnung, dass nicht immer und zu jedem Zeitpunkt alles in offenen Beziehungen offen sein muss. Das bedeutet für mich, dass ich mich zu jedem Zeitpunkt​ erst einmal fragen​, was ich brauche, um mich wohl zu fühle wenn ich mich unwohl fühle.

  • Energien umlenken

Für manche Menschen, mich inklusive, kann es total helfen mit den angestauten Energien etwas anzustellen. Manchmal habe ich das Gefühl vor Traurigkeit, Wut oder Ärger zu platzen. Mir hilft es dann zum Beispiel zu schreiben, die Gedanken fliessen zu lassen kann wie ein Vehikel für meine Gefühle sein. Eifersucht ist häufig außerdem häufig etwas sehr körperliches, deswegen kann es auch helfen sich einmal kräftig zu schütteln, zu schreien oder jeglichen anderen körperlichen Betätigungen nachzugehen, um sich von dem möglichen Onmachtsgefühl zu lösen.

  • Eine Frage der Strukturierung

Für Menschen die gerne Dinge strukturieren, und wieder fühle ich mich davon sehr angesprochen ;), kann es hilfreich sein, Gefühl auf einer Skala zu verstehen. Beispielsweise können viele Situationen die mit Eifersucht zu tun haben, mit einer ersten Irritation oder einem Gefühl von Verwirrung beginnen. Stellt man sich jetzt eine Skala vor, dann würde bei mir zum Beispiel als nächstes Frustration oder Ärger folgen. Irgendwo in der Mitte würde dann Wut stehen und am Ende Zorn, weil ich Zorn als etwas langanhaltendes und längerfristigeres als Wut verstehe.
Es kann also hilfreich sein, sich entlang seiner eigenen Emotionen zu orientieren und sich zu fragen: In welche Richtung will ich mich bewegen?
Welches Gefühl ist für mich schwächer bzw stärker als Wut, Ärger oder Zorn? Und ganz wichtig: Ist es okay, wenn ich es schaffe mich „nur“ zu ärgern? und weil ich es nicht oft genug sagen kann, auch hier noch Mal: nicht zu hart über sich selbst urteilen.

  • Methoden aus anderen Bereichen übernehmen

Es gibt eine Vielzahl an Methoden aus anderen Bereichen, die sich ganz wundervoll auf Eifersucht übertragen lassen. Da gibt es den Bereich der Phobien, wo sich häufig versucht wird Schritt für Schritt an die Angst heran zu tasten. Im Zusammenhang mit der Eifersucht kann das bedeuten, dass wenn beispielsweise jemand Angst hat, dass die Beziehungsperson bei lovern übernachtet, ein langsames heran tasten an die Situation helfen kann. Das kann bedeuten, dass man sich zum Beispiel zu erst auf eine Zeit verabredet, zu der die Beziehungsperson nach Hause oder zu einem Treffpunkt kommt und die andere Person spüren lassen kann, dass sie auf ihre Gefühle Rücksicht nehmen möchte. Im nächsten Schritt könnte sich die Uhrzeit nach hinten verschieben oder flexibel werden usw. Ich finde es voll wichtig nicht zu vergessen, dass in solchen Situationen meistens alle Beteiligten in irgend einer Form zunächst einen Kompromiss eingehen und die Situation angespannt oder sensibel sein kann. Eine weitere Methode können die vier Phasen der Trauer von Verena Kast sein. Für mich hat Eifersucht nämlich häufig mit loslassen von bestehenden Mustern zu tun und dem Einlassen auf Neues. Das wiederum bedeutet, dass ich manchmal eine Zeit lang brauche, um um das Vergangene zu trauern.

Eine meiner ersten positiven Erfahrungen mit Eifersucht hatte mit einem Treffen zu dritt zu tun. Es war das erste Mal, dass ich eine tatsächliche Begegnung mit der gefürchteten lover Person meiner Partnerin hatte. Davor waren mir zwei Sachen nicht so richtig klar gewesen. Erstens, dass der Mensch kein magisches Einhorn ist und eben so wenig perfekt ist wie ich es bin. Zweitens, dass ich diesen Menschen tatsächlich sympathisch und nett finden könnte. Dieses aller erste Treffen hat mich enorm erleichtert und es hat für mich einiges de-mystifiziert. Ich dachte, dass ich da einen Über Menschen treffe, dabei war die Person eben so nervös und unsicher wie ich es war. Wir haben uns ziemlich gut verstanden und danach fiel es mir um einiges leichter mit der Situation umzugehen. Ich glaube die Tatsache, dass dieser Mensch kein Hirngespinst mehr war, dem ich alle möglichen Eigenschaften und Böswilligkeiten unterstellen konnte, machte es einfacher. Außerdem ist mir bewusst geworden, dass ich selbst die Entscheidung getroffen habe, dass ich diesen Menschen in mein Leben lassen möchte. Es fühlte sich danach nicht mehr so aufgezwaengt und von Außen bestimmt an, sondern vielmehr selbstbestimmt.

Die wundervolle Elisabeth Sheff hat vor einiger Zeit auf psychology today die drei D’s eingeführt. Diese setzen sich zusammen aus discuss (=miteinander reden und versuchen heraus zu finden, was die Eifersucht ausgelöst hat. dabei kann es helfen sich zum Reden Rücken an Rücken zu setzen. Dadurch ist man sich körperlich trotzdem nah und gleichzeitig kann es leichter fallen einander ausreden zu lassen und zuzuhören. Außerdem sieht man nicht sofort das traurige, wütende oder verletzte Gesicht der anderen Person und kann sich besser auf das Gesagte einlassen), distract (= hier geht es im Grunde um selfcare. Ich muss nicht zu Hause sitzen und versuchen alleine mit einer Eifersucht klar zu kommen, während meine Beziehungsperson auf einem aufregenden Date ist. Eifersucht ist kein Härtetest, es ist voll okay uns gut sich Unterstützung zu holen, wenn es einem hilft :)), do (= schöne und bedeutsame Dinge zusammen unternehmen, Pläne machen und kleine gemeinsame Abenteuer planen. Wenn ich neidisch und eifersüchtig bin, dass meine Beziehungsperson ein aufregendes Date hat, hilft es mir manchmal zu wissen, dass wir am kommenden Wochenende oder in naher Zukunft auch etwas schönes gemeinsam geplant haben. Elisabeth Sheff schreibt von hier nur von Sex bzw. physischer Nähe im allgemeinen, aber ich weite es gerne auf quality time aus.)

  • Gemeinsam schwärmen

Ein kleiner Tipp zum Schluss. Ich hab gemerkt, dass ich es sehr genieße mich mit meinen Beziehungspersonen über kleine Flirts oder Momente der Anziehung auszutauschen. Zum einen, weil ich dann nicht aus allen Wolken falle, wenn ich Mal wieder merke, dass ich natürlich nicht die einzige Person bin, die meine Beziehungspersonen auf diesem Planeten interessant finden. Zum anderen, weil diese Anziehungsmomente meist so kurz und flüchtig sind, dass sie vielmehr eine Plattform für kleine Gedankenexperimente darstellen. So kann ich mir manchmal vorstellen, was es gerade mit mir machen würde, wenn daraus mehr entstehen würde. Das macht die Eifersucht und die damit zusammen hängenden Emotionen nicht mehr so weit weg.

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