Review von der ersten polyromantischen Comedyserie „You, Me, Her“.

—–Spoiler Alarm—

Vor ein paar Wochen bin ich über die Serie „You, Me, Her“ gestolpert, wo ein verheiratetes hetero Paar eine Art Dreierbeziehung beginnt, nachdem erst der Mann (heimlich) und dann seine Frau (aus Interesse und Eifersucht, als es raus kommt) sich mit einer Escort trifft und beide sich in sie verknallen. Sie wird als die erste „polyromantische Comedyserie“ angekündigt. Ich fand es interessant zu beobachten, wie eine Serie sich dem Thema offene Beziehung annimmt, auch wenn ich zugeben muss, dass ich die Serie bislang nicht besonders gut finde.

I know, I know, ich urteile manchmal zu schnell und zu kritisch über Serien. Vorallem, weil ich erst an Anfang von Staffel bin, aber einiges gefällt mir bis jetzt so ganz und gar nicht. Ich mag zum Beispiel nicht, wie das Thema Sexarbeit behandelt wird. Angefangen bei der Unterscheidung zwischen Escort und Sexarbeit und der damit einhergehenden Verurteilung und Abwertung von Sexarbeit. Es wird immer wieder explizit ein Unterschied gemacht zwischen Sexarbeit und der Arbeit als Escort, denn Sexarbeit wird in der Serie (zumindest soweit ich es geschaut habe) konstant abgewertet. Find ich nicht so schön, um ehrlich zu sein. Wieso kann Sexarbeit nicht einmal in einem positiven Licht dargestellt werden?

Dann gibt es noch das heterosexuelle Paar, dessen Liebesleben den Ausgangspunkt für die ganze Serie stellt. Los geht es damit, dass der Mann sich aus sexueller Frustration in seiner Ehe heraus, ein Date mit einer Escort arrangiert. Erster Frustrationsmoment. Wieso arrangiert sich nicht die Frau das Date? Ihre Libido erscheint sich genau so nach Zuneigung zu sehen. Immerhin muss ich zugeben, dass ich positiv überrascht war, als sich die Frau als nicht „neugierig heteroflexibel“, sondern tatsächlich als aufrichtig interessiert an Frauen entpuppt hat. Ich finde, dass zu häufig alle Sexualitäten die nicht heterosexuell sind, als Phasen oder neugierige Ausrutscher dargestellt werden. Das macht es weniger aufrichtig und vermittelt unter anderem verzweifelten Eltern – so auch meinen vor 13 Jahren -, dass das Kind schon wieder zurück auf den richtigen Pfad der Heterosexualität zurück gelangen wird. Als der Ehemann erfährt, dass seine Frau tatsächlich in ihrem Leben schon einmal auf Frauen stand, ist er so entsetzt, dass er sich zunächst homophob äußert und kurzzeitig ihre Beziehung in Frage stellt, weil es für ihn offenbar fragwürdig erscheint, dass ein Mensch auf unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Sexualitäten stehen kann. Ist es außerdem wirklich so schwer die Wörter „Phase“ und „Lesbisch“ nicht zusammen in einem Satz zu gebrauchen? Versteh ich nicht. Wenn eine Serie überraschte Überforderung zeigen will, wieso geht das so häufig auf Kosten von irgendwelchen marginalisierten Gruppen?

Dann gibt es den Part, wo sie anfangen Absprachen zu treffen, wie sie einander treffen können und was okay ist und was nicht. Wobei zunächst nicht alle drei als gleichwertig in dieser Konstellation erscheinen, das Ehepaar setzt die Regeln fest. Dabei ist das erste was aufkommt die „keine Penetration“ Regel, die sich dann auch noch als ein Missverständnis herausstellt, da der Ehemann dachte, dass keine Penetration auch kein Orgasmus bedeutet. Zweiter Frustrationsmoment. Erstens hätte ich es schöner gefunden, wenn sich die Serie nicht so stark auf den rein sexuellen Aspekt von Dreiebeziehungen konzentrieren würde, aber hey, wir reden immer noch von Serien ;). Und zweitens finde ich dieses Missverständnis ganz schön heteronormativ. Seriously? Penetration=Sex…?

Das klingt bis jetzt ziemlich negativ, aber es gibt auch ein paar Kleinigkeiten die ich mag. Ich mag es zum Beispiel, dass sich das Ehepaar nicht erst über mehrere Folgen hinweg zerstreitet und daraus ein Riesen Fass macht. Klar, er stellt sie vor neue Herausforderungen, aber ich mag es, dass sich die Serie nicht zu lange auf den „Konflikt“ konzentriert, sondern aufzeigt, wie sie damit umgehen. Sie erscheinen ziemlich glücklich nachdem sie jeweils ein Date hatten und es scheint ihre Ehe auf neue Bahnen zu bringen. Find ich schön dargestellt, denn es ist schließlich auch aufregend und neu und ungewohnt. Neue Energie können einen ziemlich beflügeln. Und außerdem hat die Serie es geschafft mich neugierig zu machen, immerhin will ich wissen wie es weiter geht. Ich halte euch auf dem Laufenden!

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